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Historisches

Auf der Insel im Jahre 810

Nach Gildas, einem romanisierten Britannier, der im

6. Jahrhundert n. Chr. lebte, ging die britische Insel im Jahre 441 für die Römer verloren – danach begann die so genannte „dunkle Zeit“. Was genau und im Einzelnen geschehen ist, nachdem Rom seine nördlichste (und wohl auch widerspenstigste) Kolonie aufgegeben hatte, lässt sich immer noch nicht so genau belegen, aber wir wollen hier auch niemanden mit Geschichtsdaten und -begebenheiten langweilen.

 

Einig ist man sich, dass die Römer zwischen 410 und

430 n. Chr. der britannischen Insel endgültig den Rücken zuwandten – und die inzwischen zivilisierten und romanisierten Britannier sich selbst und ihren zahlreichen Feinden überließen. Doch: Welche Feinde waren das eigentlich?

 

Nun, zunächst einmal die Menschen, die die gesamte Zeit der Besatzung gegen Rom gekämpft hatten: Zuallererst seien da mal die „Bemalten“ im Norden genannt, die Pikten. Größtenteils im nördlichen Teil der Insel lebend – also etwa der Gegend des heutigen Schottland – hatten sie die Römer dermaßen genervt, dass diese sich nicht anders zu helfen wussten, als einen großen Zaun zu bauen, den Hadrianswall (das britannische Pendant zum Limes).

 

Um 250 n. Chr. tauchten dann auch schon die Sachsen auf – Piraten, die dauernd die östlichen Küsten Britanniens heimsuchten, Beute machten, plünderten, brandschatzten, mordeten und einfach wieder heimfuhren – und zwar in eine Gegend, die für die Römer unerreichbar war, nämlich in die nördlichen Regionen des heutigen Deutschland, grob gesagt Niedersachsen und das östliche Schleswig-Holstein.

 

Gleichzeitig, oder auch etwas später, spätestens aber um

360 n. Chr. mischt sich ein kleiner, aber recht agiler Stamm irischer „Auswanderer“ in die Geschichte Britanniens ein, der die Insel bis weit ins 18. Jahrhundert in Atem halten soll: Die Skoten. Auch sie betätigten sich zunächst vorwiegend als Seeräuber, allerdings kamen sie aus dem Westen und machten damit eine zweite Front auf – ein Umstand, der die Römer fast noch mehr nervte als die verbohrten Pikten im Norden oder die angelsächsischen Überfälle im Osten.

 

Im Laufe des Niederganges der römischen Vorherrschaft auf der Insel – die übrigens eher mit inner-römischen Querelen als dem nicht sonderlich gut organisierten Widerstand der Einheimischen zu tun hatte – entschlossen sich die weisen Strategen aus der Po-Ebene, die verschiedenen Angreifer einfach gegeneinander auszuspielen:

 

Anstatt sich weiter selbst mit allen möglichen Querulanten herumzuschlagen (und auch in Ermangelung der notwendigen Truppen aus dem eigenen  Reich) nahmen die Römer einfach ein paar anglische und sächsische und (Angeln+Sachsen=Angelsachsen) Führer unter Vertrag und gaben ihnen die Order, die Küsten zu sichern – vor allem gegen diesen räuberischen Iren-Stamm namens Skoten, die sich inzwischen im Nordwesten fest gesetzt hatten und sich nun ihrerseits mit den Pikten prügelten.

 

In einem solchen Machtgefüge hatten die Intrigen-erfahrenen Germanen (und nichts anderes waren die Angeln, Sachsen, Jüten und Friesen, die die Römer auf die Insel geholt hatten) ein leichtes Spiel: Sie gewannen die wichtigen Schlachten und viel Land und setzten sich ihrerseits auf der Insel fest. Nachdem die Römer abgezogen waren (die verlassenen Britannier mochten es auch „im Stich lassen“ genannt haben) gab es noch vier Parteien, die um die Macht in Britannien stritten: Die Angelsachsen (mit der komfortabelsten Ausgangsposition), die Skoten (die richtig wütend waren), die Pikten (von denen wir nicht wissen, ob die das alles so richtig mitbekommen hatten) und die Britannier (die fast schon als Verlierer feststanden, weil der „große Bruder“ einfach abgehauen war).

 

Also um 430 n. Chr. begann die „dunkle Zeit“ – aus der Sicht der Britannier zumindest. Die Angeln, Sachsen, Jüten, Friesen und auch ein paar Dänen (aber das will keiner gerne hören) begannen, die Insel systematisch untereinander aufzuteilen. Über die nächsten Jahrhunderte etablierten sich die so genannten Sieben Königreiche: Wessex (West-Sachsen), Essex (Ost-Sachsen), Sussex (Süd-Sachsen), East-Anglia (Ost-Angeln), Mercia (Mittel-Angeln), Kent (Jüten) und Northumbria (der nordöstliche Teil, bestehend aus Bernica und Deira, da mag es wohl eine feine Mischung aus allerlei Volk gegeben haben ;-) ).

 

Während hoch im Norden die Skoten ihr Reich Dalriada gründeten und sicherten, blieben im Nordwesten lediglich die beiden britannischen Reiche Strathclyde und Galloway übrig, die sich bald zusammenschlossen, im Südwesten leistete das legendäre Wales Widerstand – aber die vormals dominierenden Britannier drohten, endgültig unterzugehen.

 

Dann, im Jahre 793 n. Chr. tauchte – völlig unerwartet – ein neuer Feind auf und versetzte ausgerechnet dem größten Angelsachsenreich Northumbria einen empfindlichen Stoß in den ungeschützten „Bauch“ seiner langen Ostküste: Die Nordmannen! Es handelte sich dabei um norwegische „Handelsfahrer“, die ganz im Gegensatz zu inzwischen allen auf der britannischen Insel Ansässigen noch kaum vom christlichen Glauben gehört hatten und deshalb zunächst einmal das Kloster Lindisfarne plünderten: Reiche Schätze, die niemand ernsthaft verteidigte, das war genau nach dem Geschmack dieser respektlosen Gesellen.

 

Im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte muss es sich unter den später von der Geschichtsschreibung „Wikinger“ genannten Händlern und Räubern herumgesprochen haben, dass an der Küste Britanniens ohne großes Risiko leichte Beute zu machen war, denn sie kamen immer wieder und immer zahlreicher – letztendlich mehr und mehr mit dem Ziel, dieses vermeintlich wehrlose Land zu erobern.

 

Tja, und die Angelsachsen? Die hatten ja nun schon gedacht, sie wären bald die absoluten Herren der Insel. Sie pflegten – wenn man den spärlichen Quellen jener Zeit glauben darf – fast schon so etwas wie eine höfische Tradition, waren nach Außen rechtschaffene Christen und inzwischen einigermaßen träge geworden. Sie hatten sich an Landbesitz, Knechte, Sklaven, Reichtum und Luxus gewöhnt, wurden von niemandem mehr ernsthaft bedroht – abgesehen natürlich vom Nachbar-Königreich, das aber in den meisten Fällen immerhin auch angelsächsisch war – und konnten sich somit ihren geliebten Intrigen und einer lebhaften Innenpolitik widmen.

 

Man muss dabei bedenken, dass die Angeln, Sachsen, Jüten und Friesen (und auch ein paar Dänen, aber das will wirklich keiner gerne hören) ehemals germanische Stämme waren, die selbst in der Blüte des römischen Imperiums mit den Römern nur marginale Kontakte gehabt hatten und weder in ihrer Kultur noch in ihren Überlieferungen so etwas wie zentral verwaltete Großreiche kannten.

 

All diese Stämme zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie sich nur zu dem Zweck kurzfristig miteinander verbündeten, um vorzugsweise gegen den nächsten Nachbarn Krieg zu führen. Solche Bündnisse waren aber selten von langer Dauer, man misstraute sich schnell und gerne. Nun waren sie zwar von den Römern zunächst gemeinsam zum Schutz der Insel verpflichtet worden, aber spätestens nachdem diese Britannien verlassen hatten, schlug die Urkultur der so genannten Germanen wieder durch: Sie bekämpften erstmal ihre nächsten Nachbarn, um ihre eigene Macht zu sichern, doch schon bald wandten sie sich den leichteren Gegnern zu: Den Einheimischen, die sie eigentlich beschützen sollten.

 

Wer weiß: Wären die Nordmannen nicht aufgetaucht, hätte es mit den Britanniern vielleicht bald ein schnelles Ende genommen. Während sich auf dem Kontinent mit Karl dem Großen an der Spitze ein neues Großreich etablierte – wir erinnern uns: Das heilige römische Reich deutscher Nation – lag die britannische Insel um 800 n. Chr. ein wenig im Windschatten der Geschichte und niemand interessierte sich ernsthaft für die dortigen Machtverhältnisse – das sollte im späteren England ganz anders werden.

 

Zu der Zeit jedoch, in der sich Ceidric und Ellwydd und all die anderen begegnen, ist ein roter Faden in der Entwicklung Britanniens nicht wirklich zu erkennen – da ist einfach alles möglich...

 

 

 

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© Ron Burloff